SPÖ Gmünd

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Blogeintrag

Geschichte der Sozialdemokratie in Gmünd


Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges verschärften sich die Gegensätze sowohl innerhalb der Stadt Gmünd (zwischen kleinbürgerlich, bäuerlich und besitzarm) als auch im Verhältnis der Stadt Gmünd zu den sozialdemokratisch dominierten umliegenden Gemeinden Böhmzeil und Wielands.

Die Sozialdemokraten spielten in der Stadt selbst zu diesem Zeitpunkt kaum eine Rolle, die Gemeindeverwaltung war von den Bürgerlichen geprägt – obwohl straffe Parteiorganisationen in der Zeit damals noch nicht üblich waren.

Die politischen Folgen der Entwicklung des neuen Stadtteils Gmünd-Neustadt nach 1918 waren nachhaltig: Das Barackenlager war die Wurzel für die politische Wende in Gmünd, die den Deutschnationalen und Christlichsozialen die Macht aus der Hand nahm und den Aufstieg der Sozialdemokraten ermöglichte.

Die Sozialdemokraten erstarkten zwar, den Führungsanspruch konnten sie allerdings nur kurz stellen: Ladislaus Bakalar wurde 1920 zum ersten sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Gmünd gewählt, bereits 1922 folgte ihm aber der Deutschnationale Hans Michale. 1924 kam dann der endgültige Abschied von der Macht für die Gmünder Sozialdemokraten: Der Deutschnationale Ignaz Pilz setzte sich per Losentscheid im Gemeinderat gegen den sozialdemokratischen Kandidaten Hans Lenz durch, in allen drei Wahlgängen hatten zuvor jeweils elf Kandidaten für Pilz und Lenz gestimmt.

Mehrere Nazi-Anschläge im südlichen Niederösterreich sowie in Krems führten dazu, dass die NÖ Landesregierung sämtliche NS-Mandate in Landtag und Gemeinderäten annulierte, die NSDAP wurde am 19. Juni 1933 verboten. Die »Gewinner« im Gmünder Gemeinderat waren die Sozialdemokraten, die nach 1922 erstmals wieder die absolute Mandatsmehrheit erlangten – und damit auch ohne Hilfe der Christlichsozialen den Bürgermeister stellen konnte. Johann Reither wurde zum zweiten sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Gmünd – und zum dritten Bürgermeister im turbulenten 33er-Jahr. Bald aber schon waren die Sozialdemokraten die nächsten Opfer des Austrofaschismus.

Der Bürgerkrieg im Februar 1934 führte schließlich dazu, dass auch die Sozialdemokratische Partei samt ihren Vorfeldorganisationen verboten wurde. Zu Bürgerkriegshandlungen kam es in Gmünd nicht, allerdings in der Folge zu einer massiven Verhaftungswelle. Die Gemeindevertretung in Gmünd wurde mit Wirkung vom 15. März 1934 aufgelöst, der sozialdemokratische Bürgermeister Johann Reither abgesetzt und Dr. Anton Sigmund – der aufgrund seiner Heimwehr-Mitgliedschaft noch 1929 im politischen Kreuzfeuer der Sozialdemokraten gestanden war – zum Beirat der einstweiligen Gemeindeverwalter ernannt. Der bisherige Vizebürgermeister Karl Henebichler von den Christlichsozialen (nunmehr »Vaterländische Front«) wurde zum neuen Bürgermeister der Stadt Gmünd »geputscht«. Bis zum deutschen Einmarsch im März 1938 blieb Henebichler das Stadtoberhaupt von Gmünd.

Die Sozialdemokraten waren nun offensiver als zuvor den Verfolgungen ausgesetzt, das Parteivermögen wurde beschlagnahmt. Nach der Ermordung von Dollfuß am 25. Juli 1934 eskalierte die Situation – im ganzen Bezirk wurden Nationalsozialisten, Kommunisten und Sozialdemokraten festgenommen und in Sammelautobussen nach Gmünd gebracht. Im Turnsaal der Hauptschule wurden sie – 105 Nationalsozialisten und 20 Sozialdemokraten – unter Gendarmeriebewachung interniert.

Das Ende des Nazi-Staates brachte ein beispielloses Chaos mit sich, das sich auch in der Gemeindepolitik niederschlug. Die russische Kommandatur ernannte den kommunistischen Eisenbahner Franz Fuchs zum Bürgermeister, der zugleich auch mit den Agenden des Bezirkshauptmannes betraut wurde und dem  provisorischen Gemeindeausschuss vorstand. Allerdings: Das kommunistische Intermezzo in der Gmünder Kommunalpolitik währte nicht lange. Nach der KPÖ-Wahlniederlage bei den Nationalrats-und Landtagswahlen im November auch in Gmünd verloren die Sowjets offensichtlich die letzte Hoffnung auf eine »politische Wende« – der provisorische Gemeinderat wählten den Sozialdemokraten Otto Wilhartitz wurde zum ersten (gewählten) Bürgermeister der Stadt Gmünd nach dem Zweiten Weltkrieg. Wilhartitz war bereits von 1924 bis zum Verbot der SPÖ durch die Christlich-Sozialen im Jahr 1934 im Gmünder Gemeinderat tätig gewesen und blieb bis zu seinem Tod 1955 Bürgermeister der Stadt Gmünd.